Alphorn als Naturinstrument
Die Töne des Alphorns decken sich nur zum kleinen Teil mit den Tönen der in der westlichen Musik üblichen temperierten Stimmung. Nämlich genaugenommen nur der Grundton und die darauf aufgebauten Oktaven. Alle andern Töne sind mehr oder weniger verschoben. Da der Alphorn-Spieler nur die Naturtöne zur Verfügung hat, kann er viele Melodien der klassischen und Unterhaltungs-Musik nicht spielen. Dafür hat er, besonders in den höheren Registern sehr spannende, feine Intervalle zur Verfügung, die jedoch schwer zu spielen sind.
Das Alphorn hat keine Grifflöcher, keine Klappen, Ventile oder andere beweglichen Teil. Die einzelnen Töne werden durch die geblasene Luft und die verschiedene Spannung der Lippen im Mundstück erzeugt. Die Lippenschwingung überträgt sich auf die Luftsäule im Alphorn. Die Kunst des Alphornblasens besteht darin, die Lippe rasch und sicher in solche Spannungen zu versetzen, welche die ganze Luftsäule in bestimmte Unterteilung schwingen lassen. Schwingt die Luftsäule als Ganzes, erklingt der Grundton, der tiefste Ton des Alphorns. Schwingt sie in zwei Teile geteilt, tönt T2, die Oktave des Grundtons. Schwingt sie in drei Teilen, erklingt T3 usw. Das gute Spiel verlangt viel Übung für einen guten "Ansatz".
Das Alphorn der Schweizeralpen ist nicht das einzige Naturhorn der Welt. Seine Bauer, seine Spieler und Komponisten haben jedoch seit Generationen daran gearbeitet, dass dieses wunderbare Instrument hervorragende und aussergewöhnliche Qualitäten besitzt.
Das Standartalphorn besteht meist aus speziell ausgesuchtem Fichtenholz. Das Rohr ist grösstenteils konisch, öffnet sich, und endet im "Chrump" des Schallbechers. Die Innenform ist eines der Geheimnisse des Alphornbauers, das Wissen wird meist über Generationen weitergegeben. Unter dem Chrump befinden sich zwei Füsschen zum Aufstellen auf dem Boden. Die Wandstärke des Rohres ist 5..7 mm. Zum Blasen wird ein spezielles, gedrechseltes Alphorn-Kesselmundstück eingesetzt. Die Qualität des Spiels hängt sehr stark vom Mundstück ab.


